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DeutschVon Staffellauf bis Lesetwister: Warum ich Lesen und Bewegung verbinde
Hallo, ich bin Katharina Lutz, Schulberaterin beim Mildenberger Verlag und ausgebildete Literaturpädagogin. In meiner Arbeit an Schulen und in Leseförderprojekten erlebe ich immer wieder, wie entscheidend Motivation für den Leseerfolg ist. Und genau hier setze ich mit bewegungsorientierten Methoden an.
Ein Satz von Kindern aus meiner Lesefördergruppe hat mich besonders geprägt: „Bei dir ist es cool, weil wir nie lesen.“ Natürlich haben sie gelesen. Sogar sehr viel. Aber sie haben es nicht als klassische Leseübung empfunden. Für mich ist das eines der schönsten Komplimente, denn es zeigt: Lesen darf sich leicht anfühlen.
Warum Bewegung für mich in den Deutschunterricht gehört
Kinder lernen über Handeln, über Sprechen und über Bewegung. Wenn ich Sprache und Bewegung kombiniere, erlebe ich, wie Wörter nicht nur gesehen, sondern gelaufen, geworfen, sortiert oder balanciert werden. Inhalte werden über mehrere Sinne aufgenommen und dadurch nachhaltiger gespeichert.
Gerade unruhige Kinder profitieren davon, wenn sie sich bewegen dürfen. Aber auch ruhige Kinder werden aktiviert und eingebunden. Bewegung schafft Beteiligung. Sie senkt Hemmschwellen, fördert das Selbstvertrauen und macht Mut, laut zu lesen oder neue Wörter auszuprobieren.
Für mich ist bewegungsorientierte Leseförderung kein zusätzlicher Programmpunkt, sondern eine Haltung: Lernen darf lebendig sein.
Meine Arbeit mit „Lesestart mit Eberhart“
Viele meiner Konzepte habe ich mit der Lesereihe „Lesestart mit Eberhart“ erprobt. Die Hefte sind übersichtlich aufgebaut, nach Lesestufen differenziert und greifen Themen auf, die Kinder bereits aus dem Sachunterricht kennen – etwa Natur, Berufe, Gefühle oder Europa. Diese inhaltliche Anknüpfung erleichtert den Zugang und schafft Vertrautheit.
Besonders hilfreich finde ich die ergänzenden Kopiervorlagen sowie die digitalen Lesetexte mit Vorlesefunktion. Vor allem schwächere Leserinnen und Leser profitieren davon, Texte mehrfach hören und halblaut mitlesen zu können. Das gibt ihnen Sicherheit und stärkt Schritt für Schritt ihre Lesekompetenz.
Bewegte Methoden aus meiner Praxis
Staffellauf mit Wortkarten
Wörter, die im Text wichtig sind, werden vorab geklärt. Danach laufen die Kinder in Teams los, lesen Wortkarten laut vor und ordnen sie einem Zielplan zu. Besonders gut gefällt mir, dass die Begriffe dabei mehrfach auftauchen, ohne dass es sich nach Wiederholung anfühlt. In einer weiteren Runde lassen die Kinder die Wörter in einem Satz vorkommen oder erklären sie mit eigenen Worten. So wird aus Tempo und Spiel ganz nebenbei eine echte Wortschatzarbeit.
Lesetwister
Ein klassisches Twisterspiel wird mit Wörtern kombiniert. Bevor Hand oder Fuß aufgesetzt werden, wird das jeweilige Wort gelesen und oft in einen Satz eingebunden. Je nach Lerngruppe reicht anfangs auch: Wort lesen und kurz klären, was es bedeutet. Ich erlebe dabei hohe Konzentration, viel Gelächter und intensive Sprachaktivierung zugleich. Durch die verrückten Positionen bleiben die Wörter hängen, weil die Situation emotional positiv besetzt ist.
Wörtertreffen
Mit Wurfsäckchen oder Indiakas werden Zielfelder getroffen. Die Kinder holen sich danach ein Wort, lesen es vor und legen es beim Team ab. Anschließend wird sortiert, zum Beispiel nach Alphabet, Wortarten oder Artikeln. Das Schöne: Die Kinder trainieren Koordination und Zielgenauigkeit, müssen aber gleichzeitig sprachlich präzise bleiben. Wer mag, baut noch eine Extra-Regel ein, etwa: Erst wenn ein passender Satz gelingt, zählt das Wort wirklich für das Team.
Wortarten-Schatzkisten
Im Raum verteilte Wortkarten werden gesucht und in beschriftete Schatzkisten einsortiert, zum Beispiel in Nomen, Verben und Adjektive. Wichtig ist mir, dass immer nur ein Wort auf einmal geholt wird, damit alle Kinder aktiv bleiben und nicht ein einziges schnelles Kind „abräumt“. Danach reflektieren wir gemeinsam: Warum gehört dieses Wort hier hinein, und woran erkenne ich das? Genau diese kurze Auswertung macht aus Bewegung echte Sprachbildung.
Lesebingo
Nach jeder kleinen Bewegungsaufgabe lesen die Kinder denselben Text erneut halblaut. Diese Form des wiederholten Lesens stärkt die Leseflüssigkeit spürbar, weil die Kinder Routine aufbauen und dabei sicherer werden. Durch die Bewegung bleibt die Motivation hoch, auch wenn der Text mehrfach gelesen wird. Ich variiere die Aufgaben gern je nach Gruppe: mal kurze Laufwege, mal Balance, mal einfache Kräftigungsübungen. So bleibt das Bingo abwechslungsreich und die Lesezeit wirkt wie ein Spiel.
Mein Fazit
Ich bin überzeugt: Wenn Kinder Lesen mit positiven Erlebnissen verbinden, verändert sich ihre Haltung. Sie erleben Selbstwirksamkeit, merken ihre Fortschritte und trauen sich mehr zu. Bewegung kann dabei ein Türöffner sein.
Ob im Klassenraum, in der Turnhalle oder auf dem Pausenhof – Leseförderung darf lebendig sein. Und manchmal reicht ein Staffellauf oder ein Lesetwister, damit Kinder am Ende sagen: „Lesen ist eigentlich ganz cool.“
Lesestart mit Eberhart – Arbeitsblätter zu den ersten 50 Leseheften
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