Interviews und Umfrage zur aktuellen Situation

Wir alle befinden uns in einer völlig unbekannten Situation – und müssen doch unseren Aufgaben gerecht werden. Wie kann Schule in dieser Zeit gelingen?

Wir haben unsere Autorinnen und Autoren, unsere Beraterinnen und Berater und viele weitere Personen, die aktuell Schule und Unterricht möglich machen, gebeten in einem kurzen Interview ihre Situation zu schildern. Alle bisherigen Rückmeldungen lesen Sie auf dieser Seite.

Zur besseren Einordnung haben wir die Interviews nach Bundesländern aufgelistet.

Außerdem haben wir eine große Umfrage unter unseren Newsletter-Abonnenten durchgeführt. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse lesen Sie hier:

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Wir hoffen, die Erfahrungen und Meinungen Ihrer Kolleginnen und Kollegen sind für Sie eine Quelle der Inspiration und Rückversicherung und wünschen Ihnen weiterhin viel Kraft und vor allem Gesundheit.

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Thomas Laubis, Rektor, Herausgeber des Mathematiklehrgangs „Mathetiger“
Interview vom 20.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Schule ohne Schülerinnen und Schüler ist grundsätzlich nicht schön. Mein Kollegium und ich vermissen die Kinder sehr. Als Schulleiter habe ich ja zu Unterrichtszeiten in der Schule präsent zu sein, was auch gut so ist. Aber es ist sehr seltsam, wenn der tägliche Trubel fehlt. Zum Glück hat der Schulträger beschlossen, die Zeit zu nutzen, um die Klassenzimmer neu zu streichen. So höre ich im Büro wenigstens die Handwerker.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Wir haben uns, wie auch alle Kollegien in unserem Umkreis, am Wochenende nach der Ankündigung der Schulschließung zusammengesetzt und einen Fahrplan für die kommenden Wochen besprochen. Da wir technisch dazu in Lage sind, haben wir uns darauf verständigt, dass jeder Klassenlehrer täglich um 18 Uhr einen Arbeitsplan für den kommenden Tag herausgibt, der genaue Anweisungen enthält, unter Umständen Links zu Erklärvideos beinhaltet und so wenig wie möglich Arbeitsblätter zum Ausdrucken dabei sind, da nicht alle Familien über einen Drucker verfügen. Das hat gut geklappt und die Rückmeldungen der Eltern waren positiv. Einige Eltern haben auch zurückgemeldet, dass sie nun gezwungen waren, ihre private digitale Ausstattung zu optimieren. Sie haben es nicht bedauert.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Geholfen hat uns, dass wir schon seit 2 Jahren über die Infrastruktur der „Schul-Info-App“ verfügen, ein digitales Kommunikationssystem, über das wir unsere Nachrichten an alle Eltern, an einzelne Klassen oder auch an einzelne Eltern schicken können.
Beim Erstellen der Erklärvideos haben wir verschiedene Kanäle benutzt. Eine Kollegin hat die PowerPoint-Funktion genutzt, ich selbst habe Aufnahmen mit unserer Interaktiven Tafel gemacht, und unser Junglehrer hat richtig kreative Videos mit der Handpuppe Mathetiger gedreht. Diese Videos haben natürlich schnell eine große Fangemeinde innerhalb der Schule gefunden.
Wir waren auch dankbar über die umfangreichen Materialien der Schulbücher. In Mathe zum Beispiel haben wir immer um einen Tag versetzt die Lösungen aus dem Handbuch des Mathetiger an die Schülerinnen und Schüler verschickt. Viele, natürlich nicht alle, haben dann ihre Ergebnisse kontrolliert und ggf. korrigiert.
Mit den Lerntheken hatten wir Zusatzmaterialien für besonders eifrige Kinder. Das hat einiges erleichtert.

Von vielen Eltern haben wir erfahren, dass sie die Zusatzangebote, die wir ihnen über Links angeboten haben, gerne genutzt haben. Vor allem die Gratisdownloads aus Ihrem Verlag sind da der Hit, weil sie sehr umfangreich sind und eine Auswahl getroffen werden kann. Das gab es sonst nirgends.

Was haben Sie vermisst?

Die Schülerinnen und Schüler natürlich. Und auch den persönlichen Kontakt zu meinem Kollegium. Es ist schon bitter in so einem Beruf auf das Persönliche verzichten zu müssen.
Inhaltlich hatten wir für Deutsch und Mathe auch dank Ihrer „Notfallpakete“ genügend Materialien zur Verfügung. Schwieriger und zeitaufwendiger war es, Materialien für Sachunterricht, Kunst und Musik zusammenzustellen. Aber wir wollten auf keinen Fall auf diese „schönen“ Fächer verzichten, deshalb haben wir hier meistens selbst Hand angelegt.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Natürlich wird es schwierig, in einer Grundschule die Hygieneregeln, vor allem die Abstandsregeln, einzuhalten. Deshalb muss ich, so leid es mir tut, der Entscheidung der Landesregierung zustimmen, die Grundschulen noch etwas länger geschlossen zu halten. Ich glaube nicht, dass die Hygieneregeln deutlich besser eingehalten werden können, wenn nur jeweils 15 Schülerinnen und Schüler je Klasse anwesend sind. Die Kolleginnen wären mehr damit beschäftigt, die Kinder auf Abstand zu halten, als zu unterrichten. Vor allem in den Pausen hätte ich Bedenken, dass sie einem streng kontrollierten Gefängnishof gleichen würden. Das wollen wir für die Kinder auch nicht. Aber die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist zur Zeit sowieso enorm schwierig.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Wichtig ist mir, dass gerade diejenigen Kinder, die Lerndefizite aufweisen, behutsam an die Materialien herangeführt und nicht mit einer Fülle an Aufgaben überfordert werden. Auch das Niveau spielt für diese Kinder ein große Rolle, damit sie bei der heimischen Arbeit Erfolge sehen. In Mathe nutzen wir für Klasse 1 und 2 die Hefte „Basistraining“ des Mathetiger. Die Kinder erhalten im täglichen Arbeitsplan die Anweisung, welche Seite in den Heften zu bearbeiten ist. Auch der Rechentiger ist ein gutes Mittel, Lernstoff einzuüben. Manche Kinder erhalten für die zweite Phase des Home-schooling ein zweites Exemplar, damit sie zurückliegende Inhalte nochmal wiederholen, anstatt mit den aktuellen Inhalten überfordert zu sein.
In Deutsch sind die Arbeitsblätter zur Differenzierung aus dem „ABC der Tiere“ , die jetzt ja auch teilweise zum Download angeboten werden, sehr hilfreich, die Kinder mit Lerndefiziten behutsam zu fördern. Aber trotz der behutsamen Aufgabenstellungen ist es mir wichtig, dass die Kolleginnen gerade zu diesen Kindern immer wieder Kontakt per Mail oder Telefon haben, um sie „bei der Stange“ zu halten. So können wir vielleicht den Abstand nicht allzu groß werden lassen.

Susanne McCafferty, Rektorin, Autorin für Englisch, Deutsch und DaZ
Interview vom 20.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Grundsätzlich geht es uns noch gut, da niemand an der Schule direkt betroffen ist. Also Schülerinnen und Schüler, deren Eltern und die Lehrkräfte sind noch gesund.

Wir haben eine Notfallbetreuung, die aber momentan nur fünf Kinder umfasst, was bei einer Gesamtzahl von 300 Kindern nicht viel ist. Das könnte sich aber mit der langsamen Öffnung von Geschäften und Firmen noch ändern.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Wir haben am letzten Tag der geöffneten Schulen den Kindern umfangreiche Lernpakete mitgegeben. Außerdem haben wir auf unserer Homepage Links von Verlagen und Aktionen aufgelistet, die nur angeklickt werden mussten. Dadurch gab es auch musikalische, sachunterrichtliche und sportliche Aktivitäten, damit auch Verschnaufpausen zwischen den Deutsch- und Mathematikaufgaben möglich waren. Allerdings können wir mit den Angeboten, sowohl von uns, als auch online, nur die bereits eingeführten Sachverhalte automatisieren. Bei der Erarbeitung neuer Lerninhalte wird es schwierig. Deshalb versuchen wir im Augenblick, auf der Homepage einen passwortgeschützten Bereich zu bekommen, auf den wir auch kleine, selbst erstellte Filmchen zur Erarbeitung neuer Lerninhalte hochladen können.

Problematisch ist es allerdings, dass die Kinder mit einer großen Flut an Arbeitsblättern förmlich überrollt werden. Wir bekommen nur wenig Rückmeldung, ob die Aufgaben bearbeitet wurden, da wir nicht über eine Online-Plattform verfügen und befürchten, dass eine nicht unerhebliche Anzahl an Arbeitsblättern im Papiermüll landet.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Es hat uns zum einen geholfen, dass wir eine bestehende Homepage haben, auf der wir Informationen sehr schnell weitergeben können. Andererseits haben wir zum Glück sehr aktive ElternvertreterInnen, die bereitwillig ebenfalls Informationen an die Elternschaft weitergeben.

Und zum dritten ist es beeindruckend, wie viele Verlage kostenlose Materialien für die Kinder herausgeben, um den Eltern ihre Lehrerrolle einfacher zu machen.

Was haben Sie vermisst?

Leider sehen wir, dass viele Familien nicht über eine notwendige mediale Infrastruktur verfügen. Wenn die Eltern jeweils ein Smartphone haben, reicht das zur Aufgabenbewältigung nicht aus. Auch ist ein Familienlaptop für drei Kinder einfach zu wenig. Sind dann noch Kinder der weiterführenden Schulen in den Familien blockieren diese für einen großen Teil des Vormittags die elektronischen "Zugänge". Hier wäre es gut gewesen, wenn wir den Kindern Tablets hätten zur Verfügung stellen können.

Außerdem wäre es hilfreich, wenn wir die Digitalisierung schon früher hätten beginnen können. Dann könnten die Kinder souveräner mit Online-Produktion umgehen.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Wir sehen sie mit sehr gemischten Gefühlen. Eigentlich wäre es dringend an der Zeit, dass wir die Kinder wiedersehen. Grundschulkinder lernen sehr viel über Beziehungen, was mit rein schriftlichen oder medialen Mitteln kaum machbar ist. Andererseits sehen wir, dass wir in Deutschland im Vergleich mit Europa recht gut dastehen. Das Einhalten der Abstands- und Zu-Hause-Regelungen scheinen durchaus Erfolg zu haben.

Deshalb fällt es sehr schwer, hier eine gute Entscheidung zu treffen.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Wir werden tatsächlich mit etlichen Übungsheften des Mildenberger-Verlags "nachhelfen". In den nächsten Wochen bekommen zunächst vor allem unsere Kinder mit Sprachförderbedarf (bei uns 30%) die Hefte "Anschluss finden". Auch im mathematischen Bereich sollen Kinder diese Hefte erhalten. Die Tatsache, dass sie selbstständig bearbeitbar und motivierend sind, macht es den Eltern einfacher, die Kinder zur Arbeit zu bewegen. Das Lösungsheft hilft dabei, die Aufgaben zu kontrollieren und die Tatsache, dass es Hefte sind, dämmt die Arbeitsblattflut ein wenig ein.

Andrea Spengler, Lehrerin, Autorin für Musik „RONDO“
Interview vom 22.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, sind alle digital über eine Plattform vernetzt, auf der Arbeitspakete, Bilder und Videos für die Schüler bereit gestellt werden.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Relativ gut, durch eine wirklich hervorragend funktionierende digitale Vernetzung, die durch ein großes Engagement seitens der Eltern, der Schulleitung und des Kollegiums zustande gekommen ist.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Die ständige Ansprechbarkeit einer Elternvertreterin, die die digitale Plattform ins Leben gerufen hat sowie die Präsenz der Schulleitung.

Was haben Sie vermisst?

Meine Klasse und natürlich die sozialen Kontakte.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Es wird noch eine Weile der guten Vorbereitung und Schaffung spezieller Bedingungen benötigen, um überhaupt wieder an einen Schulbetrieb (im Normalzustand) zu denken.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Im direkten Kontakt mit den Eltern wird gemeinsam beraten, nach Übungsmöglichkeiten und digitalen Angeboten gesucht, mit denen das Kind umgehen kann.

Es wird generell so sein, dass Lernstoff aufgearbeitet werden und im nächsten Schuljahr von einer anderen Ausgangsbasis gestartet werden muss.

Sigrid Fleig, Lehrerin
Interview vom 22.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Im Moment haben wir einen Weg gefunden, wie wir einingermaßen mit der Situation umgehen können. Dennoch sind immer wieder noch Fragen offen oder tauchen neu auf, die vor allem rechtliche Bestimmungen und die Organisation betreffen.
Vor allem die Lehrer der Abschlussklassen fühlen sich sehr unter Druck und haben Sorgen, ihre Schüler nicht genügend auf die Prüfungen vorbereiten zu können.
Eltern unserer Grundschüler haben Sorge, dass ihre Kinder zu viel verpassen und nicht richtig auf die weiterführende Schule vorbereitet werden.
Es gilt, auf allen Ebenen Ruhe zu bewahren, flexibel und kreativ zu bleiben.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Am letztem Schultag kopierten wir in Windeseile Materialpakete für die Kinder, die wir ihnen mit ihren Heften und Büchern mitgaben.
Glücklicherweise richteten wir noch vor Ausbruch der Pandemie eine App (sdui) für alle am Schulleben Beteiligten ein, um Kontakt halten zu können.
Wir erhielten in regelmäßigen Abständen Nachrichten der Schulleitung, die wir teilweise an die Eltern weitergaben.
Für das homeschooling luden wir nun nach den Ferien Materialien in die App hoch: den gewohnten Wochenplan mit Arbeitsaufträgen für Mathematik und Deutsch, teilweise mit Seiten aus den Büchern, teilweise mit erstellten Arbeitsblättern. Wichtig war dabei stets die Mitgabe von Lösungen.
Hier tauchten dann Probleme auf, dass manche Kinder nicht alle Bücher zuhause hatten oder die Hefte voll waren.
Das größte Problem bestand jedoch darin, dass viele Eltern keine Möglichkeit zum Ausdrucken der Materialien hatten. Somit stellen wir nun kopierte Materialpakete an der Schule zusammen, die wir entweder selbst oder über die Elternvertreter an die Wohnsitze der Kinder verteilen oder per Post schicken. Diese Lösung wird wohl an vielen Schulen praktiziert.
Einige Grundschulklassen arbeiten zusätzlich mit der App "Anton". Hierbei erlebe ich die Eltern jedoch zwiespältig. Manche Eltern wollen ihre Grundschulkinder nicht an den PC setzen, andere besitzen keinen oder es ist nicht möglich, mehrere Kinder und ein im homeoffice beschäftigtes Elternteil gleichzeitg mit PC zu versorgen. Auch sind einige Eltern nicht begeistert, wenn zu viel digital unterrichtet wird, da gewisse Grundfertigkeiten wie Feinmotorik dabei vernachlässigt werden und schlaue Kinder manche Aufgaben eher taktisch als wissensmäßig lösen.
Die Seiten zum Download auf der Verlagsseite, vor allem die lehrwerksunabhängigen Materialien mit Lösung, sind prima als Ergänzung, auch wenn sie die Problematik des Ausdruckens nicht lösen. Hierfür vielen herzlichen Dank!

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Der Austausch über sdui ist das Wichtigste Instrument im Moment.
Motivierende Materialien, die selbsterklärend sind, mit Lösungen helfen sehr.
Obwohl ich schon ein großes Repertoire an Materialien besitze, wäre im Moment hilfreich: eine Datenbank mit Auflistung nach Klassen, Fächern und Themen, in der man einfaches Brauchbares und für die Eltern ohne viel Aufwand Durchführbares findet - lehrwerksunabhängig.

Was haben Sie vermisst?

Natürlich die Kinder!
Ab und zu fehlt etwas die einheitliche Koordination, aber in dem Trubel ist das verständlich.
Manche Eltern sind nicht erreichbar und einfach abgetaucht (die App war nicht verpflichtend) und den Kindern fehlt der persönliche Bezug und das damit verbundene Gefühl, schulische Pflichten zu haben. So auch die Berichte der Eltern.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Ich betrachte es als eine große Herausforderung, jüngere Schüler wieder in die Schule zu lassen und dabei alle hygienischen Maßnahmen zu kontrollieren. Dabei stelle ich mir den Pausenhof oder noch schlimmer eine Pausenordnung für Regenwetter vor, bei der man für alle Kinder im Klassenzimmer für Entstpannung und Abwechslung sorgen muss.
Meines Erachtens wäre es sinnvoll, im Bildungsplan einige Themen zu kürzen oder zu streichen.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Leider sind dies oft genau die Kinder, deren Eltern man schlecht erreicht und die somit auch auf sich alleine gestellt sind.
Für sie müsste es ein Instrument geben, das elternunabhängig ist und dennoch für Kontrolle sorgt. Oft sind diese Kinder mit dem Smartphone vertraut oder spielen viel an Konsolen oder Spiele am PC. Hierüber müsste sich eine Möglichkeit eröffnen, das sie Themen behandeln, die auf organisatorisch lösbarere Weise wieder vom Lehrer kontrolliert werden. Ideal wäre, wenn das Instrumentarium selbst die Fehler anzeigt, verbessert und die kontrollierte Lösung an den Lehrer weiterleitet.

Cornelia Lythje, Lehrerin an einer Grundschule, unterrichtet mit dem Lehrwerk „ABC der Tiere“
Interview vom 24.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Es geht uns gut. Allerdings arbeiten wir ganz herkömmlich: unsere Schülerinnen und Schüler erhalten Lernpakete. Ich habe das Gefühl, wir hinken einem modernen digitalen Unterricht hinterher.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Wir Lehrerinnen haben durch Emails einen guten Kontakt zu unseren Schülern und gehen gerne auf individuelle Wünsche ein

Was hat Ihnen besonders geholfen?

- Materialien, die schon vorbereitet waren
- Kolleginnen
- Schulleiterin

Was haben Sie vermisst?

- eine digitale Grundlage, die sowohl Eltern als auch Schülern bekannt gewesen wäre, um erfolgreicher lehren zu können

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Für Grundschüler wird es sehr schwierig sein, die Abstandsregel einzuhalten.
Eine verkürzte Lernzeit ohne Pausen fände ich sinnvoll.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Ich empfehle ihnen, regelmäßige, feste Lernzeiten einzuhalten.

Birgit Matzke, Lehrerin an einer Grundschule
Interview vom 24.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Wir versuchen den Kontakt zu den Kindern so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Das ist nicht einfach. Der persönliche Kontakt zu den Kindern fehlt sehr. Aber alle Lehrkräfte haben ihren individuellen Weg gefunden, um die Kinder, so gut es geht, beim Lernen zu begleiten. Die Vielfalt der Ideen ist großartig. Der Austausch zwischen den Lehrkräften und mit der Schulleitung ist sehr intensiv. Das ist in diesen Zeiten sehr wichtig.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Zwischen den Lehrkräften findet ein regelmäßiger Austausch statt. Über die Next-cloud unserer Schule werden Materialien und Ideen ausgetauscht. Alle Lehrkräfte bringen den Kindern ihrer Klasse im 14 tägigen Rhythmus Material nach Hause und holen bearbeite Sachen ab, um sie zu sichten. Über unterschiedliche Wege wird der Kontakt zu den Kindern gehalten. Das klappt bei nahezu allen Familien gut. Ganz wichtig ist, dass die Familien immer wieder Feedback geben und rückmelden, wenn es Probleme gibt und was gut funktioniert.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Mir hat das Feedback der Eltern besonders geholfen. Ich möchte wissen, ob die Kinder mit dem Umfang des Lernstoffs zurecht kommen und was sie motiviert.
Außerdem hilft der Austausch und die gemeinsame Planung mit anderen Kolleginnen.

Was haben Sie vermisst?

Mit einigen Eltern und Kindern habe ich nur sehr selten Kontakt. Ich vermisse die Gespräche mit den Kindern. Um so länger die Schließung der Schule dauert, um so schwieriger wird es, den Lernprozess der Kinder individuell zu begleiten.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Ich befürchte, dass die unteren Klassenstufen lange nicht in die Schule gehen dürfen.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Ich empfehle ihnen das Lernen wie Sport zu betrachten. Ohne Training wird man nicht besser. Für die Kinder muss Lernstoff passend zum Leistungsniveau organisiert werden. Das geht nur, wenn die Eltern den Austausch mit der Lehrkraft suchen.

Ulrike Hufschmidt, Lehrerin an einer Grundschule, Autorin des Mathematiklehrgangs „Das Mathebuch“
Interview vom 24.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Nach einem mehr als holprigen Start hat sich im Moment so etwas wie Routine entwickelt.
Schwierig waren für mich vor allem die ersten zwei Wochen, weil ich selbst nicht wirklich wusste, ob mein Plan für die unterrichtslose Zeit für die Eltern und Kinder funktionieren würde.
Vieles läuft bei uns über Email-Kontakt mit den Eltern ab. Das klappt allerdings mittlerweile bei den meisten recht ordentlich.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Ich habe das Glück, dass unsere Kinder (und damit auch die Eltern) durch die Kombiklassen daran gewöhnt sind, recht selbstständig mit indiviuellen Plänen zu arbeiten. Darum musste ich sie am Anfang auch nicht mit gefühlt tausenden Arbeitsblättern zumüllen.
Problematisch wird es erst dann, wenn die Kinder eine Erklärung brauchen. In der Regel vereinbaren die Eltern und ich dann einen Termin für eine Videokonferenz. Am Telefon fand ich es persönlich extrem schwierig, weil ich zum Erklären auch im normalen Unterrichtsalltag gerne etwas zeige, aufschreiben oder aufzeichne.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Die Einstellung vieler Eltern. Nach meinen überwiegenden Erfahrungen...
...haben sie für die Situation Verständnis und geben für ihre Kinder ihr bestes.
...unterstützen sie das Lernen ihrer Kinder und sind dankbar für die Hilfe der Lehrer.
...geben die Eltern mir Rückmeldungen anhand derer ich den Kindern passende Hilfen anbieten kann.

Unser Lehrerkollegium (einschließlich Schulleitung) war und ist auch in dieser Lage ein großer Rückhalt.

Was haben Sie vermisst?

Auch wenn man im normalen Unterrichtsalltag manchmal von unruhigen, unmotivierten, lauten, mit anderen Dingen beschäftigten Schülern genervt ist: Meine Schüler fehlen mir am meisten. Schule ist eben nicht nur eine Bildungsanstalt sondern vor allem eine soziale Gemeinschaft.

Meistens versuchen unsere Eltern ihren Kindern, die Aufgaben selbst zu erklären. So kommt es, dass eine meiner Hauptaufgaben als Lehrer wegfällt. Das Gefühl einem Kind bei seinen Aufgaben wirklich zu helfen, fehlt mir sehr.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Zwiegespalten:
Auf der einen Seite kann ich die Sorge sehr gut nachvollziehen, dass eine zu frühe Öffnung der Schulen die "Corona-Lage" ins Negative kippen lässt.
Auf der anderen Seite: Ich will meine Schüler wieder zurück.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Pauschal würde ich dazu keine Meinung äußern. Das kommt immer sehr auf das Kind selbst, das soziale Umfeld, usw. an. Im Bedarfsfall müssen wir ohnehin individuell in Absprache mit den Eltern entscheiden.

Constanze Velimvassakis, Rektorin einer Grund- und Sekundarstufe, Autorin für Deutsch und DaZ
Interview vom 24.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Aktuell geht es mir und meiner Schule gut.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Es erfordert ein hohes Maß an Organisation und Absprachen, um den Schülerinnen, Schülern, ihren Eltern und auch den Kollegen gerecht zu werden. Seit der Schulschließung ist der Unterricht im Home-Schooling so organisiert, dass für alle Klassen Lernpläne und digitale Lernangebote online zur Verfügung gestellt werden. Für Familien, die nicht mit den entsprechenden Medien ausgestattet sind, stellen wir die Materialien auch per Post als Ausdrucke zur Verfügung. Mittlerweile haben wir Abholmöglichkeiten eingerichtet, dabei können gemachte Aufgaben abgegeben werden, damit die SuS auch eine Rückmeldung von den Lehrern erhalten. Als Schule nutzen wir verschiedene Apps, um die SuS differenziert mit Lernangeboten versorgen zu können. In diesen Apps können die SuS selbstständig arbeiten, mit den Lehrern Kontakt aufnehmen und der Lehrer kann auch den individuellen Lernfortschritt und die Arbeitsdauer erkennen. Die ersten drei Wochen vor den Osterferien lief das mehr oder weniger problemlos. Jetzt stehen wir vor größeren Herausforderungen, da nun auch neue Lerninhalte transportiert und eingeführt werden müssen. Bisher waren es Übungseinheiten. Videokonferenzen mit kleinen Schülergruppen helfen, jedoch müssen wir auch Lösungen finden, analog etwas zur Verfügung zu stellen.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Wir sind relativ gut mit Lehrwerken ausgestattet.
Zusätzlich haben viele Kollegen selbst Erklärvideos angefertigt. Sofern die Haushalte über zuverlässiges Internet und Hardware verfügen, ist das möglich.
Auch die Zusammenarbeit der Fachkollegen erleichtert die Zusammenstellung geeignetem Materials.

Was haben Sie vermisst?

Zu Einführung neuere Inhalte vermissen wir neben digitalen Möglichkeiten analoge Erklärungshilfen. Sicher ist ein Erklärvideo da eine gute Möglichkeit, aber eben nicht alle Kinder haben dazu Zugang. Auch Haushalte mit mehreren Schulkindern stehen vor einem Dilemma, wenn alle den PC nutzen müssen.

Auch Rückmeldungsmöglichkeiten und Beratungsverfahren für SuS und Eltern ohne den direkten Kontakt müssen professionalisiert werden.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Einerseits freue ich mich wieder ein bisschen mehr Leben im Schulhaus zu haben, andererseits ist es ein enorm hoher Planungsaufwand, wobei die Hygieneverordnungen natürlich handlungsweisend sind. Die Einhaltung der Richtlinien erleichtert dabei die konkrete Planung. Es ist gut, dass man mit so viel Umsicht vorgeht und mit wenigen Klassenstufen den Wiedereinstieg beginnt. So können wir uns als Schule langsam mit den erforderlichen Maßnahmen zurechtfinden. Flexibilität und Dynamik sind erforderlich und es ist wichtig den Prozess immer für alle am Schulleben beteiligten Personen transparent zu machen. Ich denke, es wird uns gut gelingen.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Wir können nur individuell mit den Kindern ins Gespräch gehen und sie ggf telefonisch unterstützen und ermutigen. Empfehlenswert ist natürlich ein strukturierter Tagesablauf, indem man sich feste Lern- und Übungszeiten sowie Pausen einplant. Auch ermutige ich immer wieder wirklich mit den Lehrkräften in Kontakt zu treten und Schwierigkeiten oder Wünsche zu kommunizieren.

Heike Albrecht-Brügel, stellvertr. Schulleitung, Sonderschullehrkraft in der Grundstufe
Interview vom 27.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Wir haben seit Beginn der Schulschließung eine bzw. seit heute zwei Notfallgruppen. Die Stimmung ist entspannt, den Kindern geht es gut.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

s.o.
Unsere Kollegen werden regelmäßig informiert über die neuesten Mitteilungen aus dem Ministerium, von der Stadt, dem Schulamt.
Die Lehrkräfte haben ihren Schülern Lernpakete gemacht, die entweder abgeholt oder per Post verschickt wurden. Unser Klientel nutzt das digitale Lernen gar nicht oder nur in geringem Maße. Jeder Schüler bzw. die Eltern wird einmal pro Woche angerufen, um hier den Kontakt zu halten und auf dem Laufenden zu bleiben (wird neues Material benötigt, gibt es Probleme, droht evtl. häusliche Gewalt)

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Der Zusammenhalt untereinander, die Selbstverständlichkeit, mit der geholfen und unterstützt wird.
die zahlreichen Links und Möglichkeiten, gutes und auch zum Teil bekanntes Material zu downloaden bzw. weiterzuleiten.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Ich halte es für sehr vernünftig, hier langsam und sehr bedächtig vorzugehen, auch wenn mir bewusst ist, dass die Situation für die Eltern nicht einfach ist.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Dies trifft auf unsere Schülerschaft nicht zu, da wir ein SBBZ mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung sind.

Anna Moßmann, Lehrerin an einer Grundschule
Interview vom 27.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Mir geht es zurzeit sehr gut, und auch meine Kolleginnen sind alle fit und munter. Es ist spürbar, dass sich alle langsam eine Veränderung wünschen, doch die aktuelle Lage lässt dies noch nicht zu.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Unsere Schule ist bislang recht gut mit der Schulschließung umgegangen. In den ersten 3 Wochen wurde nur Materialien ausgegeben und seit den Osterferien gibt es neben Materialpaketen auch noch Online Angebote. Man lernt neue Wege kennen, welche sich für später bestimmt auch bewähren können.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Mir hat besonders das Padlet geholfen sowie Tablets, um Videos für die Kinder aufzunehmen, da ich sie nicht alleine lassen möchte mit dem Stoff.

Was haben Sie vermisst?

Mir fehlt besonders die Freude und das Lachen der Kinder. Die Schule ist so gespenstisch leer und man merkt was für einen tollen Beruf man hat.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Ich sehe de Pläne zur Öffnung der Schulen noch kritisch, da Kinder sehr schnell wieder vergessen, sobald sie am Spielen sind und ich so eine 2. Infektionswelle fürchte.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Ich denke über Videos hat man eine gute Möglichkeit, diese Kinder zu erreichen und natürlich sollte man als Lehrkraft auch entsprechend Förder oder Fordermaterial zur Verfügung stellen.

Cornelia Schmitt, Lehrerin an einer Grundschule
Interview vom 28.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Ich denke, wir sind alle bemüht, in der momentanen, völlig neuen und unklaren Situation das Beste daraus zu machen, Neues auszuprobieren und nach Wegen zu suchen, im guten Kontakt mit unseren Schülern und Eltern zu sein/bleiben auf unterschiedlichste Weise.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Wir haben gleich Elternbriefe verschickt, Lernpakete in Fom von Kopien für die Kinder bereitgestellt und verteilt und auf online-Möglichkeiten verwiesen per Mail und Homepage.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Der Kontakt untereinander mit Kollegen und Schulleitung, das Feedback der Eltern und Kinder, und auch die Möglichkeit, schnell ein paar Arbeitsblätter von Ihrem Verlag bereitzustellen...

Was haben Sie vermisst?

Den normalen Unterrichtsalltag und direkten Kontakt, Austausch mit Schülerinnen und Schülern und allen an der Schule, das gemeinsame, morgendliche Singen, etc... Dazu, eine bessere „Vorbildung“ im Bereich der digitalen Medien... Aber mit der Zeit lernt man dazu und bekommt Tipps, Hilfestellungen und Unterstützung.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Im Moment ist der Start besonders für die „unteren“ Grundschulklassen noch unklar.
An der konkreten Umsetzung der Hygienpläne wird gearbeitet, und wie es dann aussehen könnte: Pausenregelung, Eingänge, etc...
Wir hoffen alle, dass es konkreter wird, wann wir wieder anfangen dürfen...

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Wir bemühen uns, möglichst alle „unsere Kinder“ im Blick zu haben und gegebenfalls regelmäßige, individuelle Einzelbetreuung über Telefon, Mail, digit. Medien anzubieten und dranzubleiben.

Ulrich Fischer, Rektor einer Grundschule
Interview vom 29.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Die Situation ist nich einfach, aber insgesamt versuchen alle am Schulleben Beteiligten das Beste rauszuholen.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Es gibt sehr viele organisatorische Dinge zu regeln. Die Betreuung der Notfallgruppe, den Umgang mit den Schülern, die nun wieder unterrichtet werden sollen bis hin zu Hygiene- Verhaltensvorschriften. Ganz besonders im Hinblick auf eine Digitalisierung der Schule, ist großer Nachholbedarf und sollte dringend eine Weiterentwicklung stattfinden.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Der Austausch mit der Konrektorin und dem Schulentwicklungsteam war sehr hilfreich. Die Zusammenarbeit mit dem Sekretariat, dem Hausmeister und dem Kernzeitbetreuungsteam ist nutzbringend, da alle ihre Kompetenzen haben und hohe Verantwortung übernehmen.

Was haben Sie vermisst?

Eine bessere und strukturiertere Kommunikation mit dem Schulträger, das ist aber wohl eher eine spezifische Angelegenheit unserer Schule.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Ich halte eine schrittweise Öffnung für sinnvoll und absolut notwendig. Isgesamt ist das alles nachvollziehbar und sinnvoll.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Durchhalten, durchhalten, und darauf hoffen, dass ein regulärer Schulbetrieb bald wieder möglich ist.

Mirko Fakler, Lehrer an einer Grundschule
Interview vom 29.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Die Schule ist nach wie vor geschlossen. Für alle Beteiligten ist das eine ungewohnte, schwierige und sehr fordernde Situation. Ich persönlich kam vor den Osterferien gut mit der Situation zurecht, merke nun aber zunehmend, wie der Stresslevel steigt.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Zum Zeitpunkt der Schließungen war zunächst mit dem Verweis auf eine Neubewertung in den Osterferien ein klarer zeitlicher Rahmen gesteckt. Es wurde zunächst auch klar kommuniziert, dass das Üben und Wiederholen bereits bekannter Lerninhalte im Vordergrund stehen sollte, entsprechend haben wir das so an unserer Schule umgesetzt - mit einem Mix aus vorgedruckten, abholbarem und digital versendetem Material für die Schüler. Das war zwar nicht ganz einfach, aber es lief m.E. doch ganz gut.
Seit den Osterferien wird es ohne konkretes Ziel einer Schulöffnung der Grundschulen zunehmend zäher, auch weil man nicht ewig den gleichen Stoff wiederholen kann.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Engagierte Menschen im Kollegium, in der Elternschaft und auf Seiten der Schüler, die den eigenen Horizont erweitern und auf Basis von wertschätzender Zusammenarbeit neue Wege mitgehen.

Was haben Sie vermisst?

Ein bisschen mehr Einarbeitungszeit in gewisse Programme/digitale Lernformen wäre im Vorfeld natürlich hilfreich gewesen.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Schwierige Frage. Die Gesundheit ist ein wichtiges Gut und meine Erfahrungen aus der Notbetreuung zeigen, dass Grundschüler die Corona-Problematik zwar verstehen, jedoch schlichtweg nicht dauerhaft umsetzen können. Trotz Besprechungen kommt es zwischendurch immer wieder zu Kontakten. Dafür können m.E. Lehrer nicht verantwortlich gemacht werden, auch wenn die Lerngruppen nur halb so groß sein sollten.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Für eine gewisse Anzahl an Kindern kann man als Lehrer natürlich regelmäßige Telefontermine anbieten, um grundlegende Dinge zu üben. Wenn Eltern Probleme bemerken, sollten sie natürlich den direkten Kontakt zum entsprechenden Fachlehrer suchen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Ursula Oswald, Lehrerin an einer Grundschule
Interview vom 02.05.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Die Situation belastet mich insofern, dass ich weder meine Eltern, noch meine Kinder und Enkelkinder treffen kann. Facetime oder Videoanrufe sind der einzige Kontakt im Augenblick. Auch Treffen mit Freunden und Bekannten gibt es nicht, keine Ausflüge mit Einkehr in einer Straußi,...
Dennoch möchte ich nicht klagen, wir haben schönes Wetter, wir können draußen spazieren gehen, uns im Garten aufhalten und das Zusammensein anders, ja intensiver gestalten!
Die Schule hat eine Notgruppe, die abwechselnd von Lehrerinnen betreut wird.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Mit der Situation vor den Ferien habe ich mich arrangieren können, in der Hoffnung, dass es danach wieder "normal" weitergeht. Bald war klar, dass dem nicht so sein wird! Es ist erstaunlich wie schnell man lernt, sich den Situationen anzupassen und das Beste daraus zu machen: Tägliche Lernpläne, zwei Mal die Woche Videoanrufe für Abfragen (1x1, Lesen,Gedicht vortragen, ...) und um in persönlichem Kontakt zu bleiben, Ausgabe von Kopien oder weiteren Heften. Dennoch vermisse ich die Kinder und den Schulbetrieb.
Wie gesagt, in der Schule gibt es eine Notgruppe, die versorgt wird und das klappt.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Gut getan haben die positiven Rückmeldungen der Eltern, die Wertschätzung meiner bisherigen Arbeit im normalen Leben als Lehrerin und jetzt als "Fernlehrerin" und natürlich die tolle Mithilfe der Eltern, die ihre Kinder unterstützen und auch die Kinder, die sehr diszipliniert ihre Lernpläne versuchen abzuarbeiten!!
Angebote im Internet von den verschiedenen Schulprogrammen (z.B.: Klasse 2000), Verlagen (kostenlose Downloads,...) und Mitbürgern (Sportprogramme,...), die ich zum Teil als Tipp weitergeleitet habe.
Das Wissen, dass es nur "abgespeckt" weitergehen kann und dass das so sein darf und nun eben so ist.

Was haben Sie vermisst?

Schade finde ich, dass jeder "sein Ding" macht und nicht versucht wurde, gemeinsam daran zu arbeiten, für die Lernenden den Stoff so aufzubereiten, so dass er gut bewältigt werden kann. War sicher auf die Schnelle zu Beginn nicht machbar. Aber für die Zeit nach den Osterferien wäre es vielleicht möglich gewesen, sich abzusprechen und etwas gemeinsam zu erarbeiten. Auch das gemeinsame Nachdenken, welche Medien, welche online-Plattform eventuell auch für die Grundschüler genutzt werden können hat mir gefehlt.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Oh je, wie das gut funktionieren soll, ist mir ein Rätsel!!
1,5 Meter Abstand, Mundschutz, nur die Hälfte der Schüler, Busfahrten, die Pausen, es gilt so viel gut zu beachten und zu planen.
Auch da wäre ein Miteinander der Schulämter wichtig und ein Absprechen der Schulleiter untereinander. Wie ist es zu bewerkstelligen, dass die Vorgaben - die unbedingt auch ernst genommen werden sollten - eingehalten werden können...
Da müssen sich viele Menschen viele Gedanken machen, am besten gemeinsam!

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Schon vor Corona hat es Kinder gegeben, die den Lernstoff nicht so schnell und in dem gleichen Umfang wie andere bewältigt haben. Im Augenblick habe ich mit diesen Kindern mehr Kontakt und versuche sie eins zu eins zu begleiten, wenn sie lernen. Wenn die Schule wieder losgeht, dann müssen diese Kinder individuell versorgt werden, damit sie das nachholen, was sie brauchen, um den Anschluss nicht ganz zu verlieren. Und: Mut zur Lücke!!

Christa Müller, Rektorin einer Grunschule, Autorin und Beraterin „Das Mathebuch“
Interview vom 02.05.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Wir fühlen uns als Grundschule ziemlich in der Schwebe, da kein richtiger Fahrplan von der Politik vorgegeben wird.
Da die Kleinen nun nicht mehr vor Pfingsten kommen sollen, müssen wir weiterhin schauen, wie wir den Kindern den Stoff vermitteln.
Wir bringen den Kindern (Grundschülern) die Wochenaufgaben mit Botengängen ins Haus oder per e-mail. Die Rückläufe werden in Kisten im Schulhof zu bestimmten Seiten eingesammelt (von Eltern oder Kindern zurückgebracht) und von den Lehrkräften korrigiert.
Telefonsich oder per Mail werden ggf. Fragen beantwortet.
Kinder, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, haben Riesenprobleme; ebenso lernschwache Kinder.
Neuen Stoff einzuzführen, ist kaum möglich. Dazu bräuchten wir Erklärfilme, passend zu den Lehrwerken von den Verlagen.
Ein problem ist aber, dass wir nicht alle Kinder/Familien digital erreichen können. manche Kinder haben keinen Zugang zu einem Computer oder es gibt keinen Drucker usw.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Die Lehrkräfte, die nicht zu den Risikogruppen zählen, werden für die Notbetreuung eingesetzt, die anderen für die Lernangebote zu Hause.
Manche werden für beides gebraucht.
Es gibt Probleme mit der gerechten Verteilung der Arbeiten unter den Lehrkräften.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Da fällt mir nicht viel ein.
Die fleißige Mitarbeit der Eltern.

Was haben Sie vermisst?

Eine sinnvolle Digitalisierung der Schule, damit die Kinder auch erreicht werden können. Ein echtes Homescooling ist eigentlich nicht möglich.
Ich weiß auch nicht, wie ich selber Erklärfilme drehen soll oder wie eine sog. Videokonferenz o. ä,. mit Kindern vonstatten gehen soll. Die Familien und die Schule sind dafür nicht eingerichtet.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

- Halbe Klassen heißt doppelte Anzahl der Räume oder eben Schichtuntericht
- Wie soll der Unterricht auf die Lehrkräfte verteilt werden, die nicht zur Risikogruppe gehören?
- Abstandsregel in Schulbussen?
- Unklar ist: Kinder, die per Fernunterricht nicht errreicht werden, sollen in lerngruppen eien Präsenzunterricht erhalten.
- Frage dazu: Wie soll das konkret geschehen? manche Eltern verstehen uns gar nicht. Sehen die Familien das als Hilfe oder als Diskriminierung?

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Wir bieten ihnen telefonische Beratung an.

Martin Leuschner, Lehrer an einer Grundscule, Autor und Berater „ABC der Tiere“
Interview vom 07.05.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Mir persönlich geht es gut - das heißt, dass es der Familie und allen Bekannten soweit gesundheitlich gut geht und auch die anderen Belastungen und Schattenseiten der Krise uns glücklicherweise nicht so stark betreffen, wofür ich sehr dankbar bin.
Die Situation an der Schule hat sich mittlerweile gut eingespielt. Wir haben zwei Notgruppen an der Schule und betreuen diese von 8 bis 16:30 Uhr, da wir eine gebundene Ganztagsgrundschule sind. Unterstützt werden wir dabei am Mittag und Nachmittag durch unser tolles Erzieher*innenteam. Damit die Schüler*innen weiterhin lernen und arbeiten können, haben wir für jede Klasse einen festen Übergabetermin für die Wochenpläne eingerichtet. Das klappt soweit ganz gut und so bleiben wir auch im direkten Kontakt (durch eine Plexiglasscheibe hindurch..) mit den Eltern, was an unserer Schule mit sozialpädagogischem Schwerpunkt wichtig ist.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Nachdem klar wurde, dass wir die Schulen schließen müssen, hofften einige Kolleg*innen und ich noch, dass es nur bis nach den Osterferien dauern würde. Als dann aber zunehmend klarer wurde, dass die Schulen auch nach den Osterferien nicht regulär öffnen werden, haben wir in den Osterferien einen freiwilligen Materialtausch-Testlauf durchgeführt, um Stärken und Schwächen dieses Systems auszuloten. Dabei zeigte sich, dass es eine praktikable Möglichkeit für uns als Grundschule war, den Eltern Hefte und Arbeitsblätter zukommen zu lassen. Wir entschieden uns bewusst dafür, diese ausgedruckt und somit analog zur Verfügung zu stellen, weil viele unserer Eltern keinen Drucker besitzen und wir die Hürden möglichst gering halten wollten.
Darüberhinaus habe ich via Telefon auch regelmäßig den persönlichen und direkten Kontakt mit den Eltern gesucht und in manchen Fällen auch mit den Kindern meiner zweiten Klasse selbst sprechen können. Ich habe diese Telefonate auch für die Eltern als wertvoll wahrgenommen - diese berichteten mir auch von ihre Sorgen und Nöten. Seite einiger Zeit nutzen wir außerdem die App Sdui zur Nachrichtenübermittlung an die Eltern. Dieses Instrument war uns auch im Vorfeld des Materialtausches eine Hilfe, um die Eltern an die Termine zu erinnern.
Seit den Osterferien habe ich in meiner Klasse auch damit begonnen, neue Inhalte einzuführen. Ich nehme jetzt regelmäßig Videos auf, in denen ich zum einen neue Inhalte einführe und zum anderen alle Aufgaben der Woche erkläre. Letzteres entlastet Eltern mit DaZ oder solche, die beruflich sehr eingespannt sind und die Kinder alleine lassen müssen (zum Glück wurden die Anforderungen an die Notbetreunngsberechtigung gesenkt, sodass jetzt vier Kinder aus meiner Klasse hier in der Schule untergebracht sind, während die Eltern arbeiten). Mir fehlt natürlich das direkte Feedback der Kinder und ich erhalte die Ergebnisse der Arbeit der Kinder erst immer am Ende des Wochenplans - die Erkenntnisse daraus kann ich zudem erst im jeweils übernächsten Wochenplan einbringen.
Organisatorisch klappt es aber mittlerweile sehr gut: Die Kinder haben zwei Schreibhefte und weil wir im ersten Halbjahr nicht mit dem Arbeitsheft Teil A fertig wurden, können wir jetzt auch die Arbeitshefte A & B immer wochenweise alternierend mitgeben - das macht die Erstellung und Korrektur der Wochenpläne wesentlich einfacher.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Die vielfältige Unterstützung auf ganz verschiedenen Ebenen: In meiner Klasse die Arbeit und Zuverlässigkeit der Eltern, meine geschätzte Klassenerzieherin, die mir insbesondere bei den Übergaben und der Vorbereitung der Übergaben geholfen hat, die Unterstützung durch das Kollegium in Form von Ideen, Rückmeldungen und Ermutigung, die Leitungen hier im Hause, die viel organisiert haben und natürlich die Briefe und Botschaften der Schüler*innen, die mich motivieren. Nicht zuletzt konnte ich auf digitales Unterrichtsmaterial zurückgreifen, das von verschiedenen Verlagen kostenlos bereitgestellt wurde - eine große Hilfe, die sehr viel und Mühen gespart hat.

Was haben Sie vermisst?

Ich vermisste und vermisse den kollegialen Gesamtaustausch in Form von Konferenzen, pädagogischen Tagen und netten Pausengesprächen und natürlich die Schüler*innen meiner zweiten Klasse. Das Unterrichten fehlt mir sehr und dieses vage aus der Ferne beobachtende Lernen meiner Schüler*innen ist nicht das, wie Lernen sein sollte - nämlich ohne Beziehung und sehr auf das Arbeiten reduziert. Leider werden wir auf das aktive Lernen mit Herz, Hirn und Hand in der Schule wohl noch länger verzichten müssen - aus verständlichen Hygienegründen. Das Gefühl nach einem kompletten Tag im Homeoffice mit Videodreh und -schnitt sowie Erstellung von und Korrektur des Materials sind einfach bei weitem nicht so erfüllend und befriedigend, wie das Gefühl nach einem gelungenen (was natürlich nicht immer klappt) Achtstundentag in der Schule mit meinen Kindern.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Ich freue mich einerseits auf die Öffnung der Schulen und hoffe inständig, dass die Gesellschaft und jede*r Einzelne seine Verantwortung so ernst nimmt, dass es nicht dazu kommt, die Schulen nach einiger Zeit wieder schließen zu müssen. Ich bin sehr gespannt, wie es organisatorisch und dann in der Umsetzung der Planungen klappen wird, aber zuversichtlich, dass ich meine Klasse bis Ende des Schuljahrs nochmals sehen werde. Glücklicherweise behalten wir an unserer Schule die Schüler*innen immer für volle vier Jahre, sodass ich nicht - wie meine Kolleg*innen der vierten Klasse - in diesen Zeiten Abschied nehmen muss.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Ich gebe meinen Schüler*innen jede Woche eine kurze Rückmeldung zu den Aufgaben, die bearbeitet wurden und weise sie auf Sachen hin, die sie systematisch fehlerhaft machen. Ich erinnere sie dann erneut an z.B. die Regel, dass Nomen großgeschrieben werden oder dass am Satzende von Aussagesätzen ein Punkt steht. In den Videos versuche ich zudem Strukturen, die wir im Unterricht beim Herangehen an Aufgaben hatten, fortzuführen und die Kinder dahingehend anzuleiten. Bei Schüler*innen, bei denen mir Lücken im Lernstoff auffallen, steuere ich mit gezielten Aufgaben nach und streiche dafür andere Aufgaben aus dem Wochenplan. Hier ist vor allem das Gespräch mit den Eltern dieser Schüler*innen wichtig!

Uta Maria Veit, Rektorin einer Grundschule, beraterin „Das Mathebuch“
Interview vom 07.05.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Allmählich kehrt ein wenig Routine ein in der Bewältigung der Ausnahmesituation.
Die kurzfristigen Umsetzungs- und Änderungsankündigungen der Schulaufsicht verursachen der Schulleitung nach wie vor Druck.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Erstellung eines Gerüsts für den Fernunterricht, beruhend auf mehreren Säulen:
- Bereitstellung des Materials: Möglichkeiten, Zeitfenster
- Rücklauf der Schülerarbeiten zur Kontrolle und Rückmeldung
- Definition von Kontaktzeiten mit den Schüler/innen
- Bereitstellung digitaler Angebote: Medienplattform und Videokonferenz

Was hat Ihnen besonders geholfen?

- Rahmenvorgabe für den Fernunterricht
- Rückmeldungen von Lehrkräften über Ihre Erfahrungen
- Rückmeldungen von Eltern (Grundschule)
- Korrektur und Anpassung des Rahmens

Was haben Sie vermisst?

Zu Beginn die Möglichkeit der Präsenzbesprechungen mit dem Kollegium.
Verbindlichere Anweisungen der Schulaufsicht.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Schrittweiser Beginn und Einbindung einzelner Klassenstufen bzw. Lerngruppen sinnvoll
Präsenzunterricht wichtig, wenn auch nur in kleinen Häppchen
Große Schwierigkeiten mit der Lehrerversorgung - Risikogruppe und Krankheit

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Ideal wäre die zusätzliche Bereitstellung von Deputatsstunden für Förderunterricht
In Klassenstufe 1 und 2 Differenzierung auf der Klassenstufe im Rahmen der verbindlichen Förderstunden D und M, die seit Wegfall von Englisch im Stundenplan fest verankert sind.

Marion Esser, Konrektorin einer Grundschule
Interview vom 12.05.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Eigentlich ganz gut. Lehrer stehen im regen Austausch und Kontakt mit den Schülern.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Gut. Wir bereiten Lernpakete für die Schüler vor, die sie abholen und wieder bringen und wir korrigieren sie und geben individuell Rückmeldungen. Beim Lernen zu Hause gibt es Erklärvideos von den Lehrern.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Die Materialien vom Mildenberger:))

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

gut. Wir sind vorbereitet.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Mildenberger Förderhefte. Ich bin sehr begeistert von den Mildenberger Materialien in Deutsch und Mathe.


Berlin

Claudia Rehm, Lehrerin, Lehrmittelbeauftragte und Mitglied der Schulleitung an einer Grundschule
Interview vom 28.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Mir geht es gut, auch wenn ich nebenbei mein Kitakind betreue und von zu Hause zu arbeiten nicht immer unkompliziert ist.
Die Kinder meiner ersten Klasse erhalten regelmäßig Aufgaben sowie Bearbeitungshinweise (auch für die Eltern). Leider sind nicht alle Kinder erreichbar bzw. Eltern bearbeiten mit den Kindern nicht den Homeschooling-Plan. Das macht mir Sorgen, denn die Voraussetzungen bzw. der Lernstand, mit denen die Kinder dann irgendwann an die Schule zurückkehren, werden noch unterschiedlicher sein als ohnehin schon.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Ich nutze diverse Apps, Videos, erstelle Wochenpläne für die Arbeit zu Hause und lege Abgabedateien fest, über die ich den Kindern Rückmeldungen per Post schicke. Da unsere Schule im eher schwachen sozialen Einzugsgebiet liegt, haben nicht alle Familien Zugang zum Internet oder die Möglichkeit, Arbeitsblätter auszudrucken. Diese Familien können sich die Aufgaben im wochentags besetzten Sekretariat abholen. Die Arbeit ist bisweilen sehr mühselig, da ich die Briefkästen für die Rückmeldungen persönlich abfahre. Andere Kollegen verfahren ähnlich. Wir kommen aber soweit zurecht.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Die Kollegen der ersten Klassen arbeiten bereits das ganze Schuljahr schon parallel und wir beraten uns telefonisch über die neuen Wocheninhalte und erstellen Dateien und Lernarrangements in Arbeitsteilung.

Was haben Sie vermisst?

Mir fehlen natürlich die Schüler und die Möglichkeit, auch die Kinder mit dem Wissenszuwachs zu erreichen, deren Eltern kaum eine Hilfe im schulischen Alltag sind. Diese bleiben m. E. gerade gehörig auf der Strecke.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Ich glaube, dass insbesondere die jüngeren Kinder früher wieder in die Schulen sollten. Die 6. Klassen benötigen im 2. Halbjahr nicht unbedingt die Noten. Die Förderprognosen und die Bewerbungen für die weiterführenden Schulen sind bereits geschrieben. Erfahrungsgemäß sind die Kinder der 6. Klassen auch nur noch wenig motiviert vor dem Schulwechsel.
Die jüngeren Kinder (insbes. die 1. Klassen) sind gerade erst Schüler geworden, haben viel Selbständigkeit erworben, die aber noch lange nicht gefestigt ist. Diese Kinder werden zurückgeworfen in ihrer Entwicklung. Das bedaure ich sehr.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Ich empfehle immer zusätzliche Angebote wie die individuelle Lernförderung in einem Nachhilfeinstitut. Zusätzliches Übungsmaterial biete ich jedoch auch immer an, es wird nur leider oft nicht genutzt. Die Eltern müssen mitspielen. Ohne ihre Unterstützung ist es schwer für die Kinder. Das kann ich als Lehrerin nicht abpuffern.

Lehrerin an einer Grundschule
Interview vom 05.05.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Es ist tatsächlich gerade sehr stressig, da ich mich auf das digitale Unterrichten umstellen muss (Webinare, neue Programme. Vorher Zoom, jetzt Microsoft Teams), jedoch nebenbei auch noch die anderen Kanäle (telefonieren, Mails schreiben, Einzelne in der Schule treffen, bei Einzelnen vorbeifahren, Notbetreuung) bediene. Es ist viel mehr Arbeit als bisher.
Allerdings sehen viele Eltern dies nicht und fordern noch mehr digitalen Unterricht. Es ist schade, dass viele Eltern die Einstellung haben, dass sie die Arbeit alleine machen und wir Lehrer*innen frei haben.
Bis zu den Osterferien war die Stimmung okay, sowohl im Team, als auch bei den Eltern. Seit den Osterferien ist bei vielen die Stimmung gekippt und eine große Unzufriedenheit gewachsen.
In der Schule herrscht angespannte Stimmung, da die Infos nur spärrlich fließen und vieles mit einem ? versehen ist – schwer zu planen und schwierig auszuhalten, da keine Fragen beantwortet werden können. Diese kommen von Kolleg*innen, Eltern und Kindern täglich, mehrfach.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Es gibt für die Kinder Arbeitspläne (immer für 1-2 Wochen), Videokonferenzen mit Kindern und im Team und immer eine Notbetreuung.
Zuracht kommt man immer, zufrieden ist man nicht.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Zwischendurch mal wieder in die Schule zu fahren (Material erstellen und Notbetreuung).

Was haben Sie vermisst?

Kinderwitze am 1. April.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Wenn es endlich mal ausfühliche Pläne gäbe, dann könnte ich mich auch ausfühlicher positionieren. Aber diese vagen Aussagen finde ich echt schwierig.

In Berlin die Klasse 6. als erstes zu unterrichten, finde ich nicht sinnvoll. Klasse 5 braucht es viel mehr und Kinder aus komplexen Familienhäusern auch. Öffnung für einzelne Klassen bzw. Kinder nach Einschätzung der Lehrer*innen wäre besser.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Das muss je nach Fall entschieden werden. Einigen Kindern hilft es sicherlich, wenn sie wiederholen, anderen überhaupt nicht. Das könnte man z.B. durch zusätzlichen Förderunterricht kompensieren (je nach Schulform und Konzept).


Bremen

Myriam Kolbe, Konrektorin an einer Grundschule, Autorin Mathematik
Interview vom 26.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Natürlich fehlen uns die Kinder und der Schulalltag sieht gänzlich anders aus als gewohnt. Wir kommen mit der Situation aber recht gut klar, da wir mit allen Eltern im regen Mail-Austausch stehen.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Wir haben an dem letzten regulären Schultag (13.03.) viel Material mit nach hause gegeben, so dass die Kinder in der Lage waren weiterzuarbeiten. Die Aufgaben erhalten Sie per Mail von der Klassenlehrerin, die sich regelmäßig (zum Teil auch telefonisch) bei den Kindern meldet. Auch kleine Videos sind schon gedreht worden und für die Kinder auf Youtube abrufbar. Das ersetzt selbstverständlich keinen normalen Unterricht, sorgt aber zumindest dafür, dass die Schülerinnen und Schüler weiterhin schulisch aktiv bleiben.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Die gute Vernetzung (mit) den Eltern (Mail, Youtube). Alle verfügen über einen Internetzugang und diejenigen, die keinen Drucker haben, haben sich das Material in der Schule abgeholt (kontaktlos!).

Was haben Sie vermisst?

Die persönliche Ebene, also Kindern eine direkte Rückmeldung geben und bei Fragen helfen zu können. Insbesondere die Mädchen und Jungen, die von ihren Eltern nicht viel gelobt werden und in der Schule die Sicherheit genießen.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Wir müssen dringend die Schulen wieder öffnen - für die Kinder und die Eltern. Berufstätigen Eltern muss eine Perspektive gegeben werden und für die Kinder ist das Lernen über Beziehung insbesondere in der Grundschule essenziell. Viele Fragen sind zu klären, aber in kleinen Gruppen, zumindest für zwei (oder drei) Stunden am Tag an zwei (oder drei) Tagen in der Woche sollten die Kinder schrittweise wieder in einen regulären Schulrhythmus kommen.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Wir machen gezielt Differenzierungsangebote und sprechen auch Eltern direkt an. Wenn die Kinder wiederkommen dürfen, erhalten sie ggf. Zusatzkurse.


Mecklenburg-Vorpommern

Birgit Mietzner, Schulleitering einer Grundschule
Interview vom 28.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Wir sind zum Glück alle gesund und auch einsatzbereit. Es ist eine sehr herausfordernde Situation. Die fehlende Digitalisierung fällt uns gerade sehr auf die Füße. Wir nutzen sehr aktiv die Homepage unserer Schule.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Wir bemühen uns, alle Veränderungen zu bewältigen, versorgen die Kinder wöchentlich mit neuen Aufgaben, erhalten die Rückläufer immer zum Wochenende, dies nutzen wir dann für die Korrektur. Es besteht ein guter Kontakt zu den meisten Elternhäusern. der Arbeitsaufwad ist stark explodiert. Besonders für die Schulleitungen. Die ständige Ereichbarkeit und Präsenz in der Schule sind sehr fordernd.
Trotzdem ist die Stimmung gut und jeder versucht sein Bestes zu geben.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Der gute Kontakt zu den Eltern und Kindern, die Nutzung und Verwaltung der Homepage, die Vernetzung des Kollegiums und die Bereitschaft Mehrarbeit zu leisten, die teilweise Nutzung der neuen Medien.

Was haben Sie vermisst?

Die Kinder und den gewohnten Schulbetrieb.
Unsere Landesregierung war sehr bemüht uns zeitnah mit allen Informationen, Verordnungen und Erlassen zu versorgen.
Wir vermissen die Umsetzung des Digitalpaktes und damit fehlen uns viele Möglichkeiten.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Ich sehe die Pläne durchaus kritisch aber auch nötig. Ich denke trotzdem, dass vielen Politikern die dies alles entscheiden, der nötige Blick in die Schule fehlt. Es ist eine riesen Herausforderung und wir als Schulleiter tragen für allesdie Verantwortung. Zum Glück ist unsere Schule ein Neubau.
Die Grundschüler halten sich defintiv nicht von allein an Abstandsregeln und jede Lehrkraft, die dem Kind etwas erklären will hat damit auch so ihre Probleme.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Wir nehmen diese Kinder als Härtefälle in die Notbetreuung auf, halten den Kontakt zu den Eltern oder empfehlen bei schweren Fällen auch eine freiwillige Wiederholung.
Ansonsten haben wir auch Lern Apps angeboten und jedem Kollegen eine dienstliche Mailadrese angelegt um mit den Eltern/ Kindern in Kontakt zu bleiben.


Niedersachsen

Ursula Glaese-Nörthemann, Rektorin und FKL-Deutsch (Teampartner)
Interview vom 25.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Es geht allen gerade relativ gut. Die Abläufe zur Betreuung der Notgruppen und zum Wechsel der Wochenpläne/ Arbeitsmaterialien sind eingespielt und die Kommunikation zwischen den Lehrerinnen, Eltern und Schüler*innen verläuft Fällen problemlos bis anregend.
Anfängliche große private Sorgen um eine ausreichende finanzielle Absicherung (PMs) oder um die körperliche Unversehrtheit der eigenen Person/der Angehörigen bei Ansteckung haben sich etwas gelegt. Insgesamt begrüßen die meisten die erlebte Verlangsamung des Lebens, das Überdenken der eigenen Prioritäten und die durch den Zeitgewinn aufsteigende Lust Neues auszuprobiern - vom Brotbacken bis zur Beschäftigung mit E-Learning.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

- Die digitale Unterstützung der schulinternen und -externen Kommunikation durch die kostenlose Version der „Schul.cloud“, die ich gleich zu Beginn eingerichtet habe.

- Die Spende von 18 iPads einer ansässigen Firma zur Ausleihe an Kinder, die über einen Onlinezugang nicht verfügen. Die Perspektive diese Geräte in regulären Zeiten wieder zurückzuerhalten ist für unsere kleine GS auch sehr attraktiv.

- Die kostenlosen Zugänge zur Lernsoftware der Verlage, dabei sind besonders hilfreich diejenigen mit Möglichkeit zur Lehrereinsicht und Kontrolle (Antolin, Anton). Super dass sogar das eingeführte Lehrwerk von Mildenberger „ABC-Tiere“ für die Klassen 1 und 2 dabei ist, welches wir nun eingführen und hoffentlich die nötige Unterstützung der erstklässler bringt.

- Die freundliche und kompetente Beratung (einschl. interessanter Fachdiskussion) durch unseren langjährigen Beraters des Mildenberger Verlags, Herr Dreier, fachliche Diskussion durch die Anbieter.

Was haben Sie vermisst?

- Eine ausreichende digitale Infrastruktur der Schule, auf die man hätte gleich zurückgreifen können.

- Eine Auswahl guter Lernsoftware für GS durch ein kompetentes Gremium oder einer Plattform, die didaktisch und methodisch gute Software auszeichnet ... oder gibt es die vll. schon?

- Allerdings sehe ich die Chance der „Coronakrise“ darin, hier Änderungen sehr schnell und sehr umfassend anzugehen.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

- Grundsätzlich wichtig für die SuS.
- mit Sorgenfalten aus logistischer Sicht einer SL mit großer Skepsis wegen der möglichen Folgen für die Verbreitung des Virus
- mit noch größeren Sorgen aus persönlichen Gründen, weil ich gleich 2 Risikogruppen angehöre

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Bisher versuchen wir die Kinder und Eltern zu unterstützen, indem wir deren Wochenplan auf die Basics reduzieren. Am meisten Sorgen bereiten uns die Kids aus der 1. Klasse, die nun in die App oder Lernprogramm ABC-Tiere besonders eingewiesen werden.

Kai Wahlers, Lehrer an einer Grundschule
Interview vom 26.04.2020

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Der Unterricht lief über IServe weiter.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Auf digitalen Weg die Schüler erreichen zu können.

Was haben Sie vermisst?

Die unmittelbare Interaktion mit den Schülern.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Ambivalent. Skeptisch, was das Infektionsrisiko anbelangt. Andererseits halte ich sie für dringend geboten, was die Lernentwicklung der Kinder anbelangt.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Schritt für Schritt zu gehen. Ggf. auch Themenbereiche auszuklammern.

Jette P., Lehramtsanwärterin Grundschule
Interview vom 30.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Mir geht es gut. Es gibt viel zu tun, neue Arbeitsabläufe müssen organisiert und routiniert werden. Durch den Austausch mit und die Unterstützung durch Kolleg*innen ist dies aber zu schaffen.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Wir sind bisher gut über die digitale Schulplattform vernetzt, sodass uns neue Informationen vom Kultusministerium/der Regierung schnell erreichen und transparent sind. Außerdem herrscht ebenfalls über die digitale Schulplattform eine rege Kommunikation zwischen Kolleg*innen, der Schulleitung und sonstigem Schulpersonal. Uns wird ein möglichst großer Spielraum für die Organisation des Homeschoolings überlassen (Päckchen packen, digitale Angebote, elektronischer Weg für Materialweitergabe oder oder), das erleichtert die Arbeit. Das Kollegium ist sehr bemüht, allen Schüler*innen gerecht zu werden (Berücksichtigung des individuellen Lernstandes, auch in Absprache mit Sonderpädagog*innen, Bereitstellung von zusätzlichem Material für DaZ-SuS, Berücksichtigung der elektronischen Ausstattung der Familien), Hilfen beim Homeschooling zu geben (durch Telefonsprechstunden/Zoom-Konferenzen/selbst erstellte Lehrvideos/digitale Vorlesestunden zum Entspannen usw.) und mit den Schüler*innen und ihren Eltern in regelmäßigen Kontakt zu bleiben und ggf. Hilfsangebote von außerschulischen Kooperationen (z.B. Kindertafel) anzubieten. Auch die Aufteilung der Notbetreuung ist klar organisiert und transparent.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Der Austausch mit und die Unterstützung von Kolleg*innen.
Die digitale Schulplattform, die eine schnelle Informationsweitergabe zulässt und den Austausch, das Teilen von Material und Erfahrungen zwischen Kolleg*innen ermöglicht/vereinfacht. Bereitstellung von Material seitens unterschiedlicher Schulbuchverlage.

Was haben Sie vermisst?

Austausch/Interaktion mit den Schüler*innen.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Zum Teil kritisch. Mir stellt sich die Frage, ob die geforderten Hygienemaßnahmen auch bei einer schrittweisen Öffnung in der Praxis tatsächlich ausreichend umgesetzt werden können und wie die Kinder auf die Distanzhaltung und zum Teil Verhüllung (von Emotionen) durch die Masken reagieren werden. Was ist mit den Kindern und Eltern, die zur Risikogruppe zählen?

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Reduzierung auf das Wesentliche. Hilfen für den Aufbau von Tagesstrukturen (feste Lernzeiten, angemessene Lernumgebung etc.) geben. Verschiedene Lernangebote bieten, ermuntern, aber keinen Druck oder Ängste aufbauen. Möglichkeit geben, sich der Lehrperson anzuvertrauen in Bezug auf zum Beispiel Sorgen und Ängste. Psychische und physische Gesundheit steht im Vordergrund.


Nordrhein-Westfalen

Niklas Dietrich, Jahrgangslehrer und Medienbeauftragter an einer Grundschule, Kooperationsschule des Verlags
Interview vom 25.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Es geht uns und unserer Schule sehr gut. Im Homeoffice bleibt allen Mitarbeitern dank der vorhandenen technischen Infrastruktur insgesamt mehr Flexibilität und Zeit, sich auf die individuellen Gegebenheiten einzustellen und diese umzusetzen.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Insgesamt sehr gut - dank der digitalen Strukturen, flexibler Mitarbeiter und Eltern. Der Umgang damit ist bei allen sehr professionell und strukturiert.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Besonders geholfen haben uns unsere digitalen Bausteine, die an unserer Schule schon seit längerer Zeit fest implementiert sind und zur Arbeitsroutine geworden sind:
1.) Unsere komplett digitalisierte Verwaltung mit Diensttablets, Serverzugriff von zu Hause aus auf alle dienstlichen, organisatorischen und unterrichtlichen Daten.
2.) Unser Schulmessenger Schul.Cloud, über den alle schulischen Mitarbeiter und Eltern jederzeit unkompliziert, unmittelbar und verlässlich kommunizieren - inklusive Cloudspeicher zum Austauschen von Dateien (Aufgaben) mit automatischer Synchronisation
3.) Unsere (Mitarbeiter und Schüler) Microsoft365-Accounts mit Skype Business und Teams, über die wir flächendeckend ab dem ersten Corona-Tag ein Online-Homeschooling anbieten können - über Diensttablets sowie schulische iPads, die die Kinder direkt mit nach Hause genommen haben.
4.) Unsere digitalen, interaktiven Lernprogramme wie z.B. ABC der Tiere-App, ANTON, Quizlet und Leseludi/Lernrudi, mit denen alle Kinder auch zu Hause ein differenziertes und individuelles Lernangebot erhalten. Sowie digitale/digitalisierte Unterrichtsmaterialien, auf die beim Online-Homeschooling vom Diensttablet aus zugegriffen werden kann.
5.) Die Offenheit und Bereitschaft aller Mitarbeiter und Eltern, sich auf die etwas veränderte Arbeits- und Unterrichtsweise einzustellen und mit positiver Energie einzulassen - selbst dabei Neues zu lernen und zu erleben.

Was haben Sie vermisst?

Eine personell viel besser ausgestattete IT-Abteilung des Schulträgers, die unmittelbarer auf die aktuellen Bedürfnisse und Herausforderungen bei der Krise reagieren kann.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Absolut kritisch, was den Grundschulbereich betrifft. Da völlig unrealistische Umsetzungsbedingungen. Ein Mindestabstand z.B. wird unter keinen Umständen sicher zu gewährleisten sein. Viele Mitarbeiter fallen wegen Risikogruppe aus - demgegenüber wird aber mehr Personal benötigt, da deutlich kleinere Lerngruppen.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Wir empfehlen den Eltern und Kindern in solchen Fällen, alle von den Klassenlehrern differenzierten und individuell zugeschnittenen Übungsmöglichkeiten (digitale und interaktive Lernangebote) regelmäßig zu nutzen und sich dabei möglichst eng von den Eltern begleiten zu lassen. Feedback gibt es dann durch die Programme selbst und zum Lernfortschritt direkt von den Lehrern.


Rheinland-Pfalz

Peter Schäfer, Mitglied der Schulleitung und Lehrer für Mathematik
Interview vom 21.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Uns geht es soweit gut, das digitale Lernen läuft langsam gut, allerdings wäre ein normaler geregelter Unterricht wieder schöner. Die Schülerinnen und Schüler fehlen und die Kommunikation per Mail und Telefon ist lange nicht so gut wie persönlich.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Durch unsere digitalen Wochenpläne / Aufgaben für die jüngeren Jahrgänge war es einfach, dieses Format auf alle Klassenstufen auszuweiten. Mit der digitalen Plattform Schulbox konnten auch Arbeitsblätter ausgetasucht werden. Oft waren es die Eltern, die überfordert waren und sich zu viel aufgelastet haben, weil sie dachten, sie müssen jetzt uns ersetzen, statt uns per Mail mit den Kindern schreiben zu lassen. Das hat sich im Laufe der Wochen geändert und iwr stehen mit 80% unserer Schüler im direkten Konakt. Allen kann man es nicht rechtmachen, der eine hätte noch mehr digital, der andere mehr analog, .... hier muss man ein gutes Mittelmaß finden.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

In erster Linie die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen und der Austausch. Gleiche Aufgaben einstellen und man kann sich die Arbeit teilen. Viele Erklärvideos im Internet, Online-Übungsseiten und digitales Material der Verlage waren dafür sehr hilfreich.

Was haben Sie vermisst?

Die Schülerinnen und Schüler und meine Kolleginnen und Kollegen. Ich möchte nicht stundenlang am PC sitzen, das ist nicht meins. Ich brauche die direkte Interaktion mit Ihnen und nicht den "verzögerten" Kontakt per Mail.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Auf der einen Seite freue ich mich über den Weg nur Normalität, auf der anderen Seite habe ich Bedenken, dass die Schulen jetzt die Virenschleudern der Nation werden und weder die Schüler noch die Lehrer hier ausreichend geschützt werden können.
Frontalunterricht und Einzelarbeit sind nicht umbedingt meine liebsten Unterrichtsmethoden, aber viel mehr ist leider nicht möglich. Ich weiß noch nicht, wie ich einzelnen Schülerinnen und Schülern etwas mit 1,5 m Abstand erklären soll. Leider werde ich nur einen Teil meiner Schüler sehen, da die anderen wahrscheinlich bis zu den Sommerferien nicht mehr kommen werden.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Wir werden gemeinsam überlegen, welche Angebote für sie nützlich sein werden, werde v.a. nach Onlineangeboten suchen, wo die Kinder direkt sehen, ob etwas richtig oder falsch ist. Zudem werden wir im kommenden Jahr hoffentlich unterschiedliche Stützkurse anbieten können.

Daniela Pfeifer, Rektorin einer Förderschule
Interview vom 21.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Ich als Schulleitung bin aktuell sehr belastet. Die vielfältigen zusätzlichen Anforderungen der erschwerten Kommunikation sowie die sich ständig ändernden Richtlinien führen zu einem erhöhten Arbeitspensum das sich im bereich zwischen 9 und 10 Stunden teilweise auch am Wochenende eingependelt hat.
Da wir als Schulleitung angehalten sind präsent zu sein, haben wir zusätzlich noch die Situation oft alleine in der geschlossenen Schule uns aufhalten zu müssen.
Hier fehlt der Austausch mit anderen Schulleitungskollegen. Es bleibt dazu kein Raum.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Wir haben bereits vor der Schulschließung Strukturen entwickelt, die mehrere Handlungsmöglichkeiten eingeschlossen hatten. So handhaben wir dies auch weiterhin. Da die Zeit zwischen Dienstanweisung und Umsetzungszeitpunkt häufig sehr gering ist, müssen im Vorfeld Strategien entwickelt werden, um handlungsfähig zu bleiben.

Wir und unsere Schülerschaft haben keine guten digitalen Ausstattungsmerkmale. Daher sind wir auf Printmaterialien angewiesen. Grundlage dazu ist stets ein Arbeitsplan. Hier haben wir aktuell die Schwierigkeit, dass es keinen guten Konfigurator für die Stufen 1 - 9 gibt, den wir ohne Copyrightschutz auf unsere Homepage stellen könnten.

Viele der sich im Homeoffice befindenden Kolleginnen und Kollegen müssen immer wieder in die Schule zur Vorbereitung kommen. Andere Kolleginnen und Kollegen verbinden mit der Schulschließung eine Art Ferienstatus. Eine schwierige Zeit.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Geholfen haben den Kollegen und Kolleginnen vor allem kostenlos ins Netzt gestellte sofort herunterladbare Unterrichtsmaterialien, die sich selbst erklärend mit Lösungen versehen direkt an die SchülerInnen weiter gegeben werden können.
Stimmen die technischen Voraussetzugen helfen auch APPs zum Lernen ein wenig Abwechslung zu bringen.

Was haben Sie vermisst?

Die Ausstattungsvoraussetzungen um ein digitales Lernen zu ermöglichen.

Ein planvolles und weitsichtiges Handeln der Vorgesetzen und nicht nur ein Reagieren und Minimieren des Schadens.

Das Bewußtsein, dass es auch für die SchülerInnen eine schwierige Lage ist und ein intrinsisches lernen im Vordergrund stehen sollte. Dazu wäre es nötig auch Methoden und Lernmaterialien zu verwenden, die weg gehen vom klassischen Arbeitsblatt.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Ich stehe dem Öffnen der Schulen so wie es sich aktuell darstellt sehr kritisch gegenüber. Es fehlt zur Zeit an allgemeinen Vorgaben bezüglich der Umsetzung der Hygienebestimmungen. Schulen werden wieder alleine gelassen mit teilweise grotesken Richtlinien wie dem Mindestabstand oder der Mundschutzempfehlung.

Zusätzlich haben wir die Schwierigkeit, dass viele Kolleginnen und Kollegen zu einer Risikogruppe gehören. Dadurch fehlen Lehrer für den Präsenzunterricht. Zeitgleich benötigen wir aber durch die Vorgabe der Gruppengröße und der Tatsache, dass häufig die Klassenräume zu klein sind, um für die gesamte Gruppe den Mindestabstand einzuhalten, sprich es müssen mehrere Gruppen aufgrund räumlicher Gegebenheiten gebildet werden, einen erhöhten Lehrerbedarf.

Gut finde ich die Tatsache, dass die Notfallgruppenkriterien auf Kinder ausgeweitet wurden, die aufgrund familiär schwieriger oftmals bedrohlicher oder zumindest kritischer Lagen eine außerhäusliche Betreuung dringend benötigen.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Ich bin der Meinung, dass wir als Schule dafür Sorge zu tragen haben, eventuell nachzuholenden Stoff zunächst zu evaluieren und dann geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Also wäre meine Empfehlung für die SchülerInnen, so gut es ihnen möglich ist ihre Aufgaben zu bearbeiten und sich Unterstützung bei ihrem Lehrer zu holen. Und das Nachholen zunächst nicht in Angriff zu nehmen, sondern hier abzuwarten.

Kathrin A., Lehrerin an einer Grundschule
Interview vom 23.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Das Kollegium ist enger zusammen gerückt. Wir arbeiten Hand in Hand. Manche Kollegen halten engen Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern, schreiben Briefe, Mails oder greifen zum Telefon. Die Notbetreuung ist täglich besetzt und wird von den Eltern gut genutzt. Die Schulleitung hält uns ständig auf dem Laufenden.
Etwas Bauchschmerzen habe ich aktuell vor der stufenweisen Öffnung der Schule. Hier wurde mein Vorschlag, zeitversetzt den Unterricht zu starten und Laufwege abzustecken ignoriert. Auch meine Frage, was ist, wenn ich in der Zeit zwischen 8-13 Uhr zur Toilette muss, wurde unzureichend beantwortet. In dieser Hinsicht gibt es an meiner Schule keinen ausgereiften Plan, bzw. hatte das Kollegium kein Interesse einen Plan auszuarbeiten.
Vom Schulträger werden wir, gerade was die schulische Ausstattung mit Desinfektionsmitteln etc. betrifft, ziemlich alleine gelassen.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Soweit sind wir mit der Schulschließung gut zurecht gekommen. Wir hatten ziemlich schnell einen Plan, wie wir den Kindern die Aufgaben bereitstellen und auch von Seiten der Eltern lief die Organisation gut. In der Notbetreuung sind Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen untergebracht. Die Betreuung dieser Kinder wird vom gesamten Kollegium und von den Betreuern unserer Nachmittagsbetreuung bewerkstelligt. Dazu gibt es einen Plan. Alle müssen 1-2 mal in der Woche einen Betreuungsdienst übernehmen.
Vor den Osterferien haben wir die Wochenpläne und Arbeitsblätter auf unserer Homepage zum Download bereitgestellt. Jetzt, nach den Osterferien, stellen wir die Materialien auf der Schulbox RLP bereit. Viele Kollegen haben bereits Erklär- und Lehrvideos gedreht. Diese werden ebenso über die Schulbox RLP den Schülern zum Download zur Verfügung gestellt.
Auf der Homepage wurden auch verschiedene Links verlinkt, so auch ein Link zu den Notfall- Lernpaketen des Mildenberger Verlags.

Ich bin sehr dankbar, dass viele Verlage sehr schnell so toll reagiert haben. Das hat mir das Arbeiten sehr erleichtert und war in dieser außergewöhnlichen Zeit eine große Hilfe. Vielen Dank dafür!

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Wie bereits erwähnt, war die schnelle Reaktion der Verlage eine große Hilfe für mich. Aber auch die Absprachen innerhalb des Stufenteams war eine große Hilfe.
Der enge Kontakt zu den Eltern/Kindern meiner Klasse sowie deren regelmäßige Rückmeldungen.

Was haben Sie vermisst?

Der normale Alltag mit den Kindern fehlt mir. Zwar hatte ich einen regen E-Mailaustausch mit meinen Kindern und deren Eltern aber der persönliche Kontakt zu den Kindern fehlt im Alltag sehr. Die Tage der Notbetreuung habe ich deshalb nicht als Pflicht angesehen, sondern als Möglichkeit, das ein oder andere Kind zu sehen.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Bereits während der Schließung der Schulen haben ich individuelle Wochenpläne geschrieben. Es wird keine pauschale Empfehlung geben. Ich mache meine Empfehlung in diesem Fall von den Kindern abhängig. Ich sehe mir an, wie die Entwicklung in den letzten Jahren war. In meiner Klasse gibt es zwei Kinder, denen ich schon vorher ein freiwilliges Zurücktreten empfohlen habe. Das werde ich am Ende des Schuljahres bestimmt wieder tun. Da unsere Kultusminister jedoch entschieden haben, dass kein Kind sitzen bleibt, werden die Eltern meinen Rat und meine Argumente auch dieses Mal wieder ignorieren.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Einerseits sehe ich der Öffnung positiv entgegen. Ich freue mich ungemein meine Schüler wiedersehen zu können. Da ich eine Abschlussklasse habe, hatte ich große Angst, mich nicht von den Kindern verabschieden zu können.
Andererseits glaube ich nicht, dass die Hygienevorschriften so eingehalten werden, wie sie vorgegeben wurden. Ich sehe meine Mädels schon mit weit ausgesteckten Armen auf mich zu rennen. Zur Prävention habe ich mir jedoch schon etwas überlegt.

Sonja von Kiedrowski, Lehrerin an einer Grundschule
Interview vom 25.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Soweit ok. An unserer Schule haben bisher erst zwei Kinder die Notbetreuung in Anspruch genommen. Trotzdem muss nach Anweisung der Schulleitung immer eine Lehrkraft am Tag vor Ort sein. Dies stößt im Kollegium etwas auf Unverständnis.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Alle mussten sich umstellen. Doch das Herausgeben von Arbeitsplänen für die Schüler läuft ganz gut. Es finden regelmäßige Treffen statt, an denen wichtige Kriterien (Hygieneplan,...) besprochen werden.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Kritisch! Da ich eine 4. Klasse mit 14 Kindern habe, können alle in die Schule kommen. Doch das alleinige Beaufsichtigen, (dass alle Kinder sich an die Hygienevorschriften halten) stelle ich mir schwierig vor und macht mir ein wenig Angst... Erwarte hier mehr Unterstützung meiner Kollegen.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Telefonat mit Eltern und Kindern.


Schleswig-Holstein

Sabine Ehlers, Fachleiterin Deutsch an einer Grundschule, Fortbildung Silbenmethode (ABC der Tiere)
Interview vom 24.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Ich vermisse meine Tätigkeit als Lehrkraft, das Unterrichten und die sozialen und persönlichen Kontakte zu meinen Schülerinnen und Schülern. Meine jetzigen Tätigkeiten beschränken sich auf die Zusammenstellung und Aufbereitung von wöchentlichem Unterrichtsstoff (in Form von Wochenplänen) und die Kontrolle der Arbeitsmaterialien meiner Schülerinnen und Schüler. Lichtblicke sind die häufigen Briefwechsel zwischen mir und meinen Schülern, die mir teilweise per Brief oder auch per Email schreiben.
Trotz kurzfristiger Mitteilungen von Seiten des Ministeriums bzgl. der Schulschließungen war unsere Schule samt Schulleitung und Kollegen gut darauf vorbereitet. Einige Kinder befinden sich seit den letzten sechs Wochen in der angebotenen Notbetreuung der Schule. Die Kollegen wechseln sich mit den Betreuungszeiten ab. Von einer starken Überlastung kann man nicht sprechen.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Jede Klassenlehrkraft hat sehr schnell einen Email-Verteiler pro Klasse eingerichtet, sodass alle Informationen und Elternbriefe der Schulleitung und Arbeitsaufträge an die Eltern/Kinder herausgegeben werden können. Das bearbeitete Material der Kinder wird an einem zentralen Ort (meistens beim Wohnort der Lehrkraft oder des Elternvertreters) eingesammelt, damit wir Lehrkräfte die Arbeiten der Kinder kontrollieren und eine Rückmeldung geben können. Dies halten wir für sehr wichtig, um den Schülern das Gefühl von Verbindlichkeit und Struktur zu geben.Eine Bewertung der Arbeiten findet zur Zeit natürlich nicht statt, da man den Einfluss und die Hilfe der Eltern nicht abschätzen kann.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

An dieser Stelle muss ich den Mildenberger Verlag sehr loben, denn mit den Notfall-Lernpaketen wurde schnell eine sinnvolle Möglichkeit geschaffen, den Unterrichtsstoff unkompliziert an die Eltern/Kinder weiterzuleiten. Dabei haben auch die Seiten zur Selbstkontrolle geholfen, was ein selbstständigeres Arbeiten zuhause unterstützt und die Belastung der Eltern verringert. Des Weiteren halfen sämtliche Online-Angebote, die man downloaden konnte.

Was haben Sie vermisst?

Da unsere Schule technisch nicht auf dem neuesten Stand ist, vermisse ich eine Lehrer-Eltern-Schüler-Plattform zwecks Austausch des Arbeitsmaterials und sonstiger Belange. Diese schulinterne Plattform existiert bereits, Eltern und Schüler haben aber noch keinen Zugriff darauf.
Natürlich vermisse ich den persönlichen Kontakt zu meinen Schülerinnen und Schülern und allen an Schule beteiligten Personen.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Unter Berücksichtigung der hygienischen Maßnahmen halte ich die schrittweise Öffnung der Schulen für sinnvoll. In einigen Elternhäusern ist die Belastung sehr hoch. In unserer Region (Dithmarschen/Schleswig-Holstein) ist die Ausbreitung des Virus sehr stark verringert worden. Wir kennen zwar noch nicht die konkreten Pläne des Ministeriums (erst Ende April sollen diese veröffentlicht werden), aber wir können uns Unterricht im Schichtbetrieb und in Kleingruppen auch gut vorstellen. Eventuell soll es auch Unterricht am Samstag geben, was allerdings kritisch gesehen wird.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Ich unterstütze sie mit eigens zusammengestelltem Arbeitsmaterial, persönlich auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmtem Lernstoff.


ohne Bundeslandangabe

Der Interview-Teilnehmer möchte anonym bleiben.
Interview vom 29.04.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Die Situation belastet mich insofern, dass ich weder meine Eltern, noch meine Kinder und Enkelkinder treffen kann. Facetime oder Videoanrufe sind der einzige Kontakt im Augenblick. Auch Treffen mit Freunden und Bekannten gibt es nicht, keine Ausflüge mit Einkehr in einer Straußi,...
Dennoch möchte ich nicht klagen, wir haben schönes Wetter, wir können draußen spazieren gehen, uns im Garten aufhalten und das Zusammensein anders, ja intensiver gestalten!
Die Schule hat eine Notgruppe, die abwechselnd von Lehrerinnen betreut wird.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Mit der Situation vor den Ferien habe ich mich arrangieren können, in der Hoffnung, dass es danach wieder "normal" weitergeht. Bald war klar, dass dem nicht so sein wird! Es ist erstaunlich wie schnell man lernt, sich den Situationen anzupassen und das Beste daraus zu machen: Tägliche Lernpläne, zwei Mal die Woche Videoanrufe für Abfragen (1x1, Lesen, ...) und um in persönlichem Kontakt zu bleiben, Ausgabe von Kopien oder weiteren Heften. Dennoch vermisse ich die Kinder und den Schulbetrieb.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Gut getan haben die positiven Rückmeldungen der Eltern, die Wertschätzung meiner bisherigen Arbeit im normalen Leben als Lehrerin und jetzt als "Fernlehrerin" und natürlich die tolle Mithilfe der Eltern, die ihre Kinder unterstützen und auch die Kinder, die sehr diszipliniert ihre Lernpläne versuchen abzuarbeiten!!
Angebote im Internet von den verschiedenen Schulprogrammen (z.B.: Klasse 2000), Verlagen (kostenlose Downloads,...) und Mitbürgern (Sportprogramme,...), die ich zum Teil als Tipp weitergeleitet habe.
Das Wissen, dass es nur "abgespeckt" weitergehen kann und dass das so sein darf und nun eben so ist.

Was haben Sie vermisst?

Schade finde ich, dass jeder "sein Ding" macht und nicht versucht wurde, gemeinsam daran zu arbeiten, für die Lernenden den Stoff so aufzubereiten, so dass er gut bewältigt werden kann. War sicher auf die Schnelle zu Beginn nicht machbar. Aber für die Zeit nach den Osterferien wäre es vielleicht möglich gewesen, sich abzusprechen und etwas gemeinsam zu erarbeiten. Auch das gemeinsame Nachdenken, welche Medien, welche online-Plattform eventuell auch für die Grundschüler genutzt werden können hat mir gefehlt.

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Oh je, wie das gut funktionieren soll, ist mir ein Rätsel!!
1,5 Meter Abstand, Mundschutz, nur die Hälfte der Schüler, Busfahrten, die Pausen, es gilt so viel gut zu beachten und zu planen.
Auch da wäre ein Miteinander der Schulämter wichtig und ein Absprechen der Schulleiter untereinander. Wie ist es zu bewerkstelligen, dass die Vorgaben - die unbedingt auch ernst genommen werden sollten - eingehalten werden können...
Da müssen sich viele Menschen viele Gedanken machen, am besten gemeinsam!

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Schon vor Corona hat es Kinder gegeben, die den Lernstoff nicht so schnell und in dem gleichen Umfang wie andere bewältigt haben. Wenn die Schule wieder losgeht, dann müssen diese Kinder individuell versorgt werden, damit sie das nachholen, was sie brauchen, um den Anschluss nicht ganz zu verlieren. Und: Mut zur Lücke!!

Der Interview-Teilnehmer möchte anonym bleiben.
Interview vom 04.05.2020

Wie geht es Ihnen und Ihrer Schule aktuell?

Die Schule bereitet sich gerade mit viel Engagement der Lehrkräfte auf eine mögliche Öffnung vor.Die Anspannung wie alles weitergeht wächst, viele Gerüchte kommen an und werden in die Überlegungen, wie wir organisieren mit einbezogen. Oft lauten die Informationen am nächsten Tag ganz anders und es bleiben wieder nur wenige Tage um neue Anweisungen umzusetzen.
Mir selbst fällt es schwer ab sofort nur noch im Homeoffice zu arbeiten. Der Überblick an der Schule wird fehlen, auch wenn mich meine Kolleginnen gut verteten werden.

Wie sind Sie und Ihre Schule bislang mit der Schulschließung umgegangen und zurechtgekommen?

Ich persönlich habe sofort den Kontakt zu anderen Schulen in der Umgebung gesucht und viel Austausch nach allen Seiten gepflegt.
Dabei bekam ich viele neue Ideen und konnte so für die eigene Schule Lösungen finden.
Der Zusammenhalt aller Kolleginnen beeindruckt mich sehr, viele neue Aufgabenfelder müssen nun umgesetzt werden, z.B der digitale Austausch, aber auch die Organisation des Fernlernens, die Notgruppe oder die Hygienemaßnahmen an der Schule.
Das Arbeitspensum ist enorm und wird in der Öffentlichkeit gerade gar nicht gesehen. Die Eltern haben zu Hause natürlich viel zu tun und fühlen sich mit den schulischen Aufgaben und der fehlenden Betreuung teilweise im Stich gelassen.

Was hat Ihnen besonders geholfen?

Der Austausch mit den anderen Kolleginnen
Die Angebote der Verlage

Was haben Sie vermisst?

Konkrete Umsetzungsanweisungen mit ordentlichem Vorlauf
Mehr Unterstützung bei den möglichen Schutzvorrichtungen (Mund-Nasenschutz und Plexiglaswände, mehr Reinigungszyklen z.B. in den Toiletten)

Wie sehen Sie die Pläne für die Öffnung der Schulen?

Die Abstandsregeln sind für Grundschüler nicht haltbar, das zeigt sich längst in der Notgruppe. Die Hygieneplanung müsste den Nasen-Mundschutz in der Schule verbindlich mit aufnehmen.

Was empfehlen Sie Kindern, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie Lernstoff nachholen zu müssen?

Wahrscheinlich Selbstlernhefte auf niedrigem Lernniveau, da sie vermutlich allein arbeiten müssen. Eventuel, falls zu finden, Erklärvideos